Gene Simmons - The Autobiography

Gespeichert von mieschka am Di., 08/26/2003 - 23:44

Na gut, als Macher einer der größten Bands der Welt, die mit Merchandise-Scheiße schamlos um sich schmeißt, kann man auch schon mal einen auf wichtig machen und sein Leben auf schlappen 267 Seiten darbieten.

Alles in Englisch, alles geil. Los. Die ersten sechs Seiten sinniert er ein bisschen über das Leben im allgemeinen und wie er es denn so sieht. Schon geht es los, das er seine Mami von vorne bis hinten huldigt, was auch bis zum Ende des Buches nicht mehr aufhört. Er erzählt, das er 4600 Frauen gefickt hat und davon immer Polaroids gemacht hat. Aber trotzdem ist er ein toller Vater. Seine Kinder und die Mutter seiner Kinder liebt er über alles. Aber heiraten will er nicht, weil er heiraten abgrundtief Scheiße findet. Man soll mit jemandem zusammen sein, weil man will, nicht weil das auf einem Stück Papier steht.

Dann holt er verdammt weit aus. Er wurde am 25. August 1949 in Israel geboren. Sein Name war Chaim Witz und seine Eltern waren arm, aber glücklich. Der Papi hat sich dann irgendwann verpisst, Mami war immer da. Er lernt, wie man Häufchen macht und so weiter. Jedenfalls hat er schon in jungen Jahren gemerkt, that it´s all about power and might.

Mit zehn spielt er gerne Cowboy und ist fasziniert von Superhelden-Comics. Am liebsten mochte er die bösen und dunklen. Etwas später wurde er zum TV-Junkie, der die ganze Zeit eben diese Superhelden guckt. Dann zog er mit Mami nach Amerika und wurde Gene Klein genannt und hat die üblichen Einwanderer-Probleme. Wenn Stars irgendwo im Fernsehen zu sehen waren, war er überwältigt von some kind of Power, welche die Mädchen zum schreien bringt. Fand er gut. Na ja, wer nicht?

Dann fand er als Teeny die Beatles geil und fing irgendwann an Musik zu machen. Da fand er heraus, das die Ladys auf seine lange Zunge standen. Später fand er auch heraus, was man damit alles anstellen kann.

Nach läppischen 58 Seiten ist er auch schon bei seinem zwanzigsten Lebensjahr (gähn), vögelt hier und da und spielt endlich in Bands. Da lernt er ganz unspektakulär Paul Stanley kennen, und beide hatten einen ungewöhnlich großes Ego. Und beide wollten ihre kleine Band nach vorne bringen. Was folgte, waren Scheiß Konzerte, wo keiner hinkam. Kennt man ja. So mit 22 suchten die zwei dann noch ewig lang Mitstreiter für eine Band, die später KISS werden sollte. Sie wollten was ganz großes, einzigartiges schaffen. Zuerst waren sie ganz weiß geschminkt, sah entsprechend Scheiße aus. Besetzungswechsel trallala. Jedenfalls waren die zwei richtige Malocher. Tagsüber Geld verdienen mit Scheißjobs, Abends an der Band basteln. Kann natürlich auch übertrieben sein, ist ja schließlich ein Buch von einem Multimillionär, aber so steht es geschrieben. Damit der Name cooler klingt, nennt er sich ab da Gene Simmons. I would never be Gene Klein again.

Jedenfalls haben viele Gitarristen vorgespielt. Irgendwann kam irgend ein Arschloch rein und spielte los, obwohl er noch gar nicht dran war. Gene und Paul waren schon immer anständige Leute, gute Geschäftsleute mit guten Manieren. Die haben so gar nichts mit irgendwelchem Rockstargehabe zu tun. Und dann kommt da so ein ungepflegter Heini rein, sieht aus wie aus der Gosse, ganz ohne Manieren. Gene motzt rum, das er jetzt besser saugut spielt, ansonsten fliegt er hochkant raus. Sie spielen im „Deuce“ zwei mal vor, beim dritten Mal reißt er ein Gottsolo runter und schon ist er eingestellt. Auf die Frage, wie er denn heißt, entgegnet er: „ Paul Frehley.“ Gene sagt: „We can´t have two Pauls in the Band!” Darauf er: “Call me Ace!“ Darauf Gene: „Call me King!” I wasn´t joking. Neither was he.

Jedenfalls mit Peter Criscuola stand die Vier-Mann-Band. Pretty early on Paul and I were aware that we had just met two types of people that we had never been around before. They drank and were attracted to violence.

Ace hat früher schon nur gesoffen und hat niemals auch nur eine Box auf die Bühne geschleppt. So ein richtig versoffenes, faules Stück Scheiße. Geil! Er konnte wohl sein ganzes Leben nichts anderes außer saufen und cool Gitarre spielen. Gott! Außerdem kam er niemals pünktlich. Also genau das, was man in einer Band überhaupt nicht gebrauchen kann.

Aber er war halt damals als einziger fähiger Gitarrist verfügbar. Und auch wenn es nicht genau im Buch steht, merkt man, das da keine ehrliche Rockband gemacht werden sollte, sondern ein bis ins Detail durchgeplantes Produkt. Das Produkt KISS. Also das genaue Gegenteil von dem, was alle Bands auf der Erde wollen. Gene sagt über Ace: „It was a nightmare from the very first day... it was never about friends, it was never about hanging out. It never was, and to this day it still isn´t.” Schade eigentlich.

So 1972 stand dann endlich der Name, das Styling, die Idee, das Konzept, ein paar Klasse-Songs und so weiter. Nach endlosem Vorspielen für Plattenfirmen und kleinen Pisskonzerten, wo es immer Ärger mit Ace gab, ging es dann los. KISS machten sich auf die Welt zu erobern.

Gene hat angeblich nie gesoffen und nie was mit Drogen zu tun gehabt. Ja, klar, und ich bin der Papst. Aber er betont es immer wieder, so das man ihm den Scheiß glatt abkaufen könnte. Jedenfalls hat er sich von Anfang an immer die Zeit mit ficken vertrieben. Weil er jescheid is. So 1974 kam die erste Platte raus und die Jungs sind die ganze Zeit rumgetourt und er hat rumgehurt. Zwei Jahre später waren sie Superstars und haben Stadien ausverkauft. Wer hätte das gedacht? Die ganze Zeit über sind Querelen mit Ace, mit Managern und mit Gott und der Welt an der Tagesordnung, aber Gene und Paul wollten immer mehr. Höher hinaus, mehr Geld, mehr Ruhm, mehr Macht, mehr Frauen. Dann wird er mal als Satanist verschrieen, was aber Unfug ist. Und er ist davon überzeugt, das er den Kleiner-Finger-Zeigefinger-Gruß erfunden hat, weil er sein Pick immer mit Mittel-und Ringfinger hält. Er hat sich das Bassspielen nämlich selber beigebracht. Und ich mutmaße, er hat eine entsprechend erbärmliche Technik.

Er erzählt unglaublich viele Geschichten, mal interessant, mal nicht. Er hat viele Models gebumst, unter anderem die Mutter von Liv Tyler, a model who was very friendly with a number of rock stars.

1977 kam die dritte Platte raus und verkaufte sich mal lässig eine Millionen mal. Das ist ja recht OK. KISS nahmen alle Vermarktungschancen wahr, unter anderem ein Kiss-Comic. In die Tinte gaben die Jungs ihr Blut. Yeah. 1978 lernt er Cher kennen und lieben. Aber er will sich um Gottes Willen nicht binden. Lieber in der Gegend rumficken. Er findet da den Gedanken an Familie und Kinder noch Scheiße. Das ändert sich erst viel später.

Ace wird immer verdrogter und versoffener, die Bandmitglieder hängen sich seit Jahren auf der Pelle und sind sich überdrüssig und die Soloalben-Scheiße fängt an um sich zu greifen.

1980 flog Peter raus, aber natürlich nur um seiner eigenen Gesundheit Willen, und Paul Caravello stieß zu KISS, der mal glatt in Eric Carr umbenannt wurde. KISS gaben sich zum ersten Mal unmaskiert. Gut für die Karriere. Ace kackte nur noch ab und Eddie Van Halen bot sich an doch bitte bei KISS spielen zu dürfen!! Aber Gene wollte lieber einen unbekannten Gitarristen, weil Eddie schon bekannt war und er nicht wusste welchen Charakter er bei KISS hätte übernehmen können.

Touren, Probleme, Hickhack, vögeln, Mami war immer schon die beste, stinkend reich, und Anfang/Mitte der glorreichen 80er muss Gene seine Fresse auch noch in Filmen präsentieren, unter anderem mit Tom Selleck alias Magnum in „Runaway“. 1984 lernt er Shannon Tweed kennen, auf dem Anwesen vom Playboy-Übervater Hugh Heffner. Gott hab ihn Selig. Shannon war wohl super. Äußerlich konnte man nicht motzen, und sie hat ihn machen lassen was er wollte. Kein Geschrei, kein „wann kommst du wieder?“. Perfekt!

1985 kam „Asylum“ raus und war natürlich locker Platin. Hach Gottchen, wat kost´ die Welt? Gene, Paul, Eric Carr und Bruce Kulick ohne Make-Up im Strom der Hair-Metal-Bands.

Shannon ist schwanger. War von ihm jedenfalls nicht geplant. Gene kann an nichts anderes mehr denken, wird er so ein Scheiß-Vater sein wie sein eigener? Die typischen ich-werde-bald-Papa-Sorgen: Werde ich gut sein, kann ich überhaupt für andere Sorge tragen, wie wechselt man eigentlich eine Windel? Dann schreibt er ewig viele Seiten über ein ganz neues Lebensgefühl-Papi sein. Klingt jedenfalls sehr überzeugend und rührt geradezu zu Tränen. Er ist bei der Geburt dabei, trennt die Nabelschnur, hält ihn zum ersten Mal im Arm, will ihn nicht wieder weggeben und schwört sich selber alles für den Kleinen zu tun und um ihn zu kämpfen, auch wenn er selber dabei draufgeht. Er war noch nie so glücklich und kann sich gar nicht vorstellen, wie das denn war, als er noch keine Kinder haben wollte. Aber heiraten ist immer noch nicht, weil Scheiße. Deswegen besteht er auch darauf, das Shannon nicht als seine Frau dargestellt wird.

Dann folgen sogenannte KISS-Conventions, wo KISS erst ein paar Stücke unplugged spielen, um danach den Fans Rede und Antwort zu stehen. Damit treten sie angeblich die Welle von MTV Unplugged los. Ein weiblicher Fan erzählt auf einer dieser Conventions, das ihr Freund vor kurzem gestorben ist, und sie gebeten hat, eine Kiss-Platte mit ins Grab zu legen. Sie hätte niemals verstanden, wie so eine Loyalität zu Stande kommen kann, aber seit sie so viele nette, und von KISS besessenen Leute auf der Convention kennen gelernt hat, versteht sie das. Dann ist sie zusammengebrochen. Der komplette Saal war totenstill. Und Gene betont damit ein weiteres Mal, das KISS-Fans die besten überhaupt sind, und er sie niemals enttäuschen würde. Blabla.

Ende der 90er kommt dann die riesige Reunion-Tour. Wieder der alte Stress wie vor 20 Jahren mit Ace, und nicht zuletzt deswegen ist er der Meinung, das KISS musikalisch noch nie so schlecht waren. Manche Menschen ändern sich nie. Trotz Sorgen, ob alles klappt, funktioniert alles viel besser als geplant. Aufmerksamkeit in den Medien, volle Stadien, und noch mehr peinlicher Merchandise. I´m here to tell you it´s all good. We don´t hide behind that mask. We worked hard. Bands have come out and said that we´re corporate while they have integrity, and they can point fingers, but the IRS makes no distinction. When you make money, it´s called earned income. As a rock band, you are business, and you have to seize every opportunity to promote your product.

Entwaffnend ehrlich, was? Aber auch geldgierig. Kann man sich jetzt dran totdiskutieren und totphilosophieren ob das gut ist oder nicht.

Er glaubt aber auch, das KISS niemals ihr ganzes Potenzial ausgeschöpft haben, weil die Band niemals eine Einheit war.

Jedenfalls gibt er mehrere, klare Statements ab was das spielen von alten Songs angeht. „...the most satisfying part is still getting up on a stage and playing KISS songs that fans have come to love, from “Strutter” to “Deuce” to “Rock and Roll All Nite”.”

Und seine zwei Kinder, Nicholas und Sophie, können von sich behaupten, das beide Elternteile schon mal auf dem Cover vom Playboy waren. Immerhin.

Und er spricht mahnende Worte gegen Drogen, auch wenn er betont, das jeder machen soll was er will, und das er kein Beschützer von irgendwem ist und so weiter. Aber er sagt, das er gesehen hat, wie Drogen einem die Fähigkeit vernebeln, intelligente Entscheidungen zu treffen.

Jedenfalls liest sich das Buch erst total Scheiße, wird dann aber immer interessanter, und am Ende sieht man die ganze KISS-Sache, und somit die ganze Rock and Roll-Sache mit anderen Augen. Er scheint auch wirklich ehrlich in allem zu sein, aber in erster Linie ist er ja schließlich Geschäftsmann.

Someday soon, just after the final chords of „Rock and Roll all Nite“ ring out on the Shea Stadium stage, I will pick up my bass and exit stage right…and playing the final show will be bittersweet…”

Ich bin jedenfalls froh, das ich das Buch durchgelesen habe. In erster Linie, weil ich jetzt endlich wieder was anderes hören kann außer KISS. Obwohl, wer will das schon?

The Kollege