Was eigentlich daran so geil?

Gespeichert von mieschka am Mi., 06/11/2003 - 23:40


Manchmal wird man mit echt kritischen Fragen konfrontiert. Wenn man da eine vernünftige Antwort finden müsste hätte man schwupps diwupps ein ernsthaftes Problem. Zum Beispiel was daran so geil ist Gästebücher von Bands vollzumüllen. Tja, gar nichts. Und warum machen wir das dann? Vielleicht eine genetische Störung? Ich weiß es nicht, ich will es aber auch nicht wissen. Es ist ja auch totaler Schwachsinn, sich für einen Arsch voll Geld Gitarren zu kaufen, um dann in einem noch teureren Raum, der wie Köter stinkt, mit ein paar verschwitzten Typen Endlosdiskussionen darüber zu führen, ob man sich jetzt "Bügeln mit System" nennt oder ob man ein Stück nicht doch besser in A-Moll spielen sollte.

Genau so bescheuert wie überteuerte Rätselzeitschriften zu kaufen oder wach zu bleiben um Bernd Brot zu gucken. Vielleicht macht das aber einfach ein bisschen mehr Spaß als pünktlich jeden Sonntag um dreizehn Uhr bei Mama und Papa am Mittagstisch zu sitzen und zu erzählen wann der Nachbar wieder den Rasen mähen will.

Und warum gibt man ein Schweinegeld für Bier aus wovon man eine Wampe kriegt, aus dem Hals stinkt, dämliche Scheiße süttert und dabei lallt wie Karl Arsch? Ja warum denn? Weiß ich doch nicht, wahrscheinlich ist das auch lustiger als jeden Abend mit der Schwiegermama vier Stunden vorm Monopoly-Brett zu sitzen und sich das hundertste Mal darüber zu begackern das jemand jetzt - oh weh oh Graus - ins Gefängnis muss und dabei nicht über Los gehen darf.

Warum begibt man sich jedes Mal wieder wissentlich in die Gefahr, von irgendeinem besoffenen Karl-Heinz drei Stunden lang seinen bescheuerten Seelenmüll an die Backe getextet zu bekommen? Das ist nämlich überhaupt nicht lustig, im Gegenteil, das ist einfach nur ganz schrecklich lästig. Das ist nämlich genau so schlimm wie bei Oma Käthe und Onkel Jupp beim Kaffee zu sitzen und sich ebenfalls das einhunderttausendste Mal anzuhören wie viel Pfennig das Brötchen damals denn noch gekostet hat.

Vielleicht kann man ja besoffen einfach alles ertragen, weil man überhaupt nicht zuhört, nicht bei einem einzigen Wort. Und wenn man dann den Arsch so richtig schön voll hat wird das ja auch alles schon wieder lustig.

Vielleicht macht saufen auch gar keinen Spaß. Vielleicht ist es nur die psychische und physische Abhängigkeit. Ganz bestimmt ist sie das! Ich sage: Na und? Mir doch egal! Prost! Und wenn mir die ganzen Sinnlosigkeiten mal langweilig werden, dann kann ich immer noch mit der Oma Käthe und dem Onkel Jupp Halma spielen und den Geschichten aus der Gruft lauschen.

Hm. Warum eigentlich nicht? Wir wollten ja ohnehin mal wieder zum Bauer Ewald auf den Prickingshof. Hauptsächlich um noch mal zu sehen wie wir auch mal sein werden. Nämlich alt. Sehr alt. Das kann man sich da ganz genau ansehen, denn der Prickingshof ist so was wie das Disneyworld für Bauern. Da gibt es ein Bällebad und kleine Trecker für Kinder, ein Restaurant und den größten Zuchtbullen Europas für die Frauen, und für die Männer - jetzt kommt der Blick in unsere Zukunft - eine Kneipe!

Suuuuper! Das muss man sich mal vorstellen: Man muss morgens um sieben Uhr (!) an der Haltestelle stehen, damit einen der Reisebus abholt. Dann zahlt man auch noch eine Gebühr von zehn Euro um mit einer Horde stinkender Rentner zum Arsch der Welt zu eiern. Danach muss man sich selbstverständlich erst mal vier Stunden lang eine Verkaufsveranstaltung mit Pötten und Pfannen antun, nur damit man mal kurz über den Hof latschen kann und am Ende umsonst ein Wurstpaket mit vielen leckeren Würsten geschenkt bekommt. Also ganz ehrlich: Ein Traum!

Aber die Profis, also die Rentner die da öfters hinfahren, die machen das etwas geschickter. So wie der Opa vom Holz, dem "Duschen..."-Webmaster. Erst mal stellen die ihre Familie zu Hause oder weiß der Henker wo ab. Dann gehen die direkt nach dem Ankommen in die Kneipe. Raus aus dem Bus, strammen Fußes vorbei an der Tür die zur Verkaufsveranstaltung führt und dann: Aaaah, Frühschoppen beim Bauer Ewald aufm Prickingshof! Zum Wohlsein.

Ja na und? Fragt die denn etwa einer warum die das machen? Wer will denen das denn verbieten? Und geht es denen schlecht dabei? Na bestimmt nicht! Na also.

Was haben wir jetzt damit bewiesen? Weiß ich doch nicht, aber ich muss mal wieder feststellen: BIER TRINKEN IST LEIDENSCHAFT!

Und nicht bloß ein gammliges Hobby wie Auto fahren.

Wenn ich dann so meine "Petra" vom Juni 2003 aufschlage, und geschmeidig auf Seite 172 schaue, dann weiß ich, das ich Recht habe, und zwar mit jedem Wort. Da wird nämlich ein durchaus sinnvoller Test gemacht: "Der neue Mercedes CLK-Cabrio". Mensch, darauf habe ich gewartet. Und als Bonus: "Die schönsten Sonnenbrillen und die nettesten Cabrio-Strecken". Zitat: "Für traumhafte Blicke hinter die erste Alpenkette lohnt sich die Route von Bad Tölz über Lenggries, Jachenau, den Walchensee und Kochel." Ja, genau, ich selber hätte es nicht besser formulieren können. Eine wahrhaft göttliche Cabrio-Strecke! Mit Verdeck wäre die Scheiße! Aber zum Glück fragt mich ja niemand, warum ich die Petra lese. Ich frage ja auch nicht warum es sich von Bad Tölz nach Kochel ohne Verdeck besser fahren lässt. Denn wer viel fragt kriegt viel Antwort. Und dann hätte man schwupps diwupps ein ernsthaftes Problem, das sich nicht mit Alkohol lösen lässt.

Prost.

The Kollege