Wenn man(n) mit seine Freundin zusammen wohnt

Gespeichert von mieschka am Sa., 06/28/2003 - 23:42


Ich kann doch nichts, was soll ich denn für Ratschläge geben? Ach so, ja, da war ja was! Ich bin ja jetzt seit geschlagenen acht (!) Jahren fast durchgehend liiert. Also so was wie alleine sein kenne ich gar nicht mehr, und den Scheiß Klodeckel mache ich schon aus reinem Überlebensinstinkt runter.

Denn anfangs stört einen die Motzerei der Lebensgefährtin über den offenen Klodeckel gar nicht. Irgendwann, nach ein paar geduldigen Monaten, motzt man einfach zurück, bis es wieder einige Monate später so lästig ist, das man automatisch nach dem Pissen denkt: "Wenn ich den doofen Deckel jetzt oben lasse, dann heult die Alte wieder rum. Boh nä, da hab ich jetzt echt keinen Bock drauf. Andererseits, wenn ich den jetzt runterklappe dann hat sie es geschafft und mich geistig versklavt. Was wird wohl dann als nächstes kommen? Hmm..." Einmal angefangen darüber nachzudenken kann man nie wieder aufhören. Einerseits möchte man seinem Partner, den man ja gern hat, auch einen selbstverständlichen Gefallen tun, andererseits ist das doch total bescheuert, denn das tut ja keinem weh wenn der oben bleibt, aber wiederum wenn es sie doch stört könnte man ja nett sein, aber es ist und bleibt nutzloser Aufwand, aber für seine Freundin... denk denk denk...

...das hört nicht auf!

Irgendwann, in einer äußerst schwachen Stunde, da kommt auch dieses bekloppte Thema wieder aufn Tisch. Und überwältigt von der augenblicklichen Harmonie schwört man hoch und heilig, beim Barte seiner Großmutter, das man den verfluchten Deckel ab jetzt ganz bestimmt immer runterklappt, weil man ja so was von verliebt ist und weiß Gott wie Rücksicht aufeinander nehmen möchte und den anderen gerade noch viel doller lieb hat als sonst.

Ab jetzt.

Die Harmonie hält einen Abend lang an, und die Tage darauf ärgert man sich das man dieses dämliche Versprechen gegeben hat, und zwar jedes Mal nach dem Pissen. Aber man steht ja zu seinem Wort und macht jedes Mal artig den Deckel runter.

Es dauert höchstens ein paar Tage da steht die nächste Meinungsverschiedenheit vor der Tür und sie wird beiläufig irgend einen Spruch ablassen der sich auf den beknackten Deckel bezieht. Irgendwas in der Art, das Du ja jetzt endlich vernünftig geworden bist und Dich so verhältst wie sie sich das vorstellt.

Man ist natürlich schwer verärgert, weil man nicht das Gefühl hat das diese immer wiederkehrende und überflüssige Handlung des Klodeckelschließens als Arbeit anerkannt wird sondern als Selbstverständlichkeit abgetan wird. Man kommt sich vor wie ein Hund der von seinem Frauchen ein Bällchen geworfen bekommt und dann wie von Sinnen hinterher rennt. So als wäre man dressiert worden auf Befehl Männchen zu machen. Was ist also aus Trotzigkeit zu tun? Von da an geht alles lustig von vorne los: Der Deckel bleibt oben! Und zwar mit Absicht! Weil es ja so nicht geht, mein Fräuleinchen! Ich zeige Dir schon wer hier der Herr im Hause ist.

Einige Zeit wird sie nichts sagen, und der Sieg scheint in greifbarer Nähe. Irgendwann ist man einfach nur noch froh, das man jetzt den Scheiß Deckel oben lassen kann, sich kein Gemaule anhören muss und die Sache aus der Welt scheint.

FALSCH! Nicht mit einem Menschen weiblichen Geschlechts! Wiederum einige Zeit später - Du wirst die Sache längst ins Schattenreich des Vergessens gedrängt haben - da läuft mal wieder irgend eine sinnlose Diskussion. Und im Zuge Deiner - selbstverständlich lupenreinen - Argumentationen wägst Du Dich schon auf der Seite der Gewinner und Zack - kommt wie aus dem Nichts Deine damalige Trotzhandlung wie eine Dampframme auf Dich zurück!

Schon ist die Angewohnheit den Klodeckel oben zu lassen das schlimmste auf der ganzen Welt! Kein Brandstifter, kein Amokläufer und kein Charles Manson dieser Welt könnte Deiner Freundin je so etwas schreckliches antun, wie Du es jeden Tag machst indem Du diesen saudämlichen Deckel
oben lässt!! Aus! Punkt! Ende! Schluss! Basta! Kein Wenn und Aber! Du bist das Arschloch, der Drecksack, die rücksichtslose Sau! Und das wieder und wieder und auch noch mit voller Absicht!

Somit hat Sie Dich ganz fies abgezockt und ins offene Messer rennen lassen, und Du kannst nichts mehr machen als Dich geschlagen geben und Dir merken, das Frauen viel gemeiner und berechnender sind als Du es Dir in Deinen wildesten Träumen ausmalen könntest. Ein paar Tränchen im Auge Deiner Liebsten tun ihr übriges und sprengen Dein Herz entzwei und brechen damit jeden Rest von Widerstand. Was machst du also? Ganz klar, der Deckel kommt ab jetzt immer brav runter.

Denn das hat ja plötzlich ganz viele Vorteile.

Du beweist Dir, Deiner Partnerin und der ganzen Welt das Du ja doch nicht so ein Riesenarschloch bist. Jedenfalls nicht so wirklich. Und der Größte Vorteil: Für einen mittlerweile winzig erscheinenden Aufwand hast Du es geschafft, das Dir die Partnerin nicht die Ohren voll jammert! Nicht heute, nicht morgen, und schon gar nicht irgendwann wenn Du gerade glaubst Recht zu haben. Irgendwie versuchst Du darüber zu stehen und redest Dir ein, das Du ja nett sein willst, das es ja egal ist wer nun Recht hat weil ihr euch ja lieb habt und das sie Doch ihren Scheiß Willen haben soll! Verdammt!

Somit hat man das Stadium von alten Ehepaaren erreicht: Sie hat Recht und Du Deine Ruhe! Wie lautet also mein kluger Ratschlag an alle, die gerade zusammen in eine Wohnung ziehen wollen?

TUT ES NICHT.

Und wenn, dann schraub um Gottes Willen den Klodeckel ab!

Glück auf!

The Kollege